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Ratgeber · Landeigentümerinnen und -eigentümer, Erbengemeinschaften · 8 Min. Lesezeit

Grundstückgewinnsteuer beim Verkauf von Bauland: Was Sie wissen müssen

Wie die Grundstückgewinnsteuer funktioniert, warum die Besitzdauer so viel ausmacht, welche Kosten Sie abziehen dürfen – und wo Landwirte und Erbengemeinschaften besonders hinschauen sollten.

Werner Sulzer, 7. September 2026

Das Prinzip in einem Satz

Wer ein Grundstück mit Gewinn verkauft, versteuert die Differenz zwischen dem Verkaufspreis und den Anlagekosten. Anlagekosten sind der ursprüngliche Kaufpreis plus wertvermehrende Investitionen plus die Kosten, die mit Kauf und Verkauf zusammenhängen. Diese Steuer heisst Grundstückgewinnsteuer und ist in der Schweiz Sache der Kantone – teils auch der Gemeinden. Deshalb gibt es 26 verschiedene Regelwerke.

Was die Steuer beeinflusst

Der Gewinn. Je höher die Differenz zwischen Verkaufspreis und Anlagekosten, desto höher die Steuer. Bei Bauland, das vor Jahrzehnten gekauft oder geerbt wurde, ist der Gewinn oft beträchtlich – genau darum lohnt sich der Blick auf die Abzüge.

Die Besitzdauer. Der wichtigste Hebel. Fast alle Kantone belohnen langes Halten mit einem Abzug auf der Steuer, der mit den Jahren wächst – und bestrafen kurzes Halten mit Zuschlägen. Wer sein Grundstück seit 20, 30 oder 40 Jahren besitzt, zahlt in vielen Kantonen nur noch einen Bruchteil des ursprünglichen Satzes. Bei einem Erbgang wird die Besitzdauer der Eltern in der Regel angerechnet.

Der Kanton. Die Sätze reichen von moderat bis hoch, die Kurven für Besitzdauer und Progression sind unterschiedlich. Für den Kanton Freiburg, Bern, Solothurn, Aargau und Luzern – unsere Zielregionen – haben wir die Regelwerke griffbereit und rechnen Ihnen Ihren Fall auf Wunsch vor.

Was Sie abziehen dürfen

Die Anlagekosten sind mehr als der alte Kaufpreis. Typischerweise anrechenbar sind:

  • der seinerzeitige Erwerbspreis (oder ein kantonal definierter Ersatzwert bei sehr altem Besitz),
  • wertvermehrende Investitionen – nicht Unterhalt, sondern echte Wertsteigerung, etwa Erschliessung, Anbau, Umbau,
  • Erschliessungs- und Perimeterbeiträge an die Gemeinde,
  • Mäklerprovisionen und Inseratekosten beim Verkauf (bei einem Direktverkauf an MARLIN entfallen sie),
  • Notariats- und Grundbuchgebühren, Handänderungssteuer, soweit von Ihnen bezahlt,
  • Kosten für Parzellierung und Vermessung, wenn Sie sie selbst getragen haben.

Sammeln Sie Belege. Was Sie nicht nachweisen können, wird nicht abgezogen.

Drei Situationen, die besondere Aufmerksamkeit brauchen

Erbengemeinschaft. Der Erbgang selbst löst keine Grundstückgewinnsteuer aus (Steueraufschub). Verkauft die Erbengemeinschaft später, gilt als Anlagekosten der Wert, den die Eltern einst bezahlt haben – und als Besitzdauer die Zeit seit deren Kauf. Beides wirkt sich in der Regel zugunsten der Erben aus. Wichtig: Wer den Anteil eines Miterben auskauft und das Grundstück erst danach verkauft, hat für diesen Anteil eine kurze Besitzdauer.

Landwirtschaft und Einzonung. Für land- und forstwirtschaftliche Grundstücke gelten eigene Regeln, und der Mehrwert aus einer Einzonung wird seit der Revision des Raumplanungsgesetzes vielerorts mit einer Mehrwertabgabe (mindestens 20 Prozent des Planungsvorteils, kantonal teils höher) belastet – zusätzlich zur Grundstückgewinnsteuer. Hier lohnt sich eine Berechnung durch eine Fachperson, bevor Sie ein Angebot bewerten.

Selbstgenutztes Eigenheim mit Ersatzkauf. Wer sein selbstbewohntes Haus verkauft und innert angemessener Frist (meist zwei Jahre) ein neues selbstgenutztes Eigenheim in der Schweiz kauft, kann die Steuer aufschieben – soweit der Erlös reinvestiert wird. Das gilt für das Haus, nicht für abgetrenntes Bauland ohne Wohnnutzung.

Ein Rechenbeispiel

Familie M. besitzt seit 1988 ein Einfamilienhaus auf 1’400 m² in einer Aargauer Gemeinde. Sie behalten das Haus und verkaufen 700 m² abgetrenntes Bauland. Vereinfacht:

Posten Betrag
Verkaufspreis Teilparzelle CHF 560’000
Anteiliger Erwerbspreis 1988 (Landanteil) CHF 90’000
Anteilige Erschliessungsbeiträge, Vermessung, Notar CHF 25’000
Steuerbarer Gewinn CHF 445’000
Besitzdauer 38 Jahre – Abzug auf der Steuer je Kanton oft 40–60 Prozent weniger Steuer

Ohne den Besitzdauerabzug läge die Steuer im höheren fünfstelligen Bereich; mit ihm sinkt sie deutlich. Die genaue Zahl hängt vom Kanton ab – wir rechnen sie mit Ihnen anhand des aktuellen Tarifs.

Was das für den Verkauf bedeutet

Drei praktische Schlüsse:

  1. Verkaufen Sie nicht blind. Lassen Sie sich vor der Unterschrift ausrechnen, was netto bleibt. Wir zeigen Ihnen bei jedem Angebot die Posten Steuer, Notar und Grundbuch auf – als Orientierung, nicht als Steuerberatung.
  2. Sparen Sie die Maklerprovision. Beim Direktverkauf an MARLIN fällt keine Provision an – das erhöht nicht nur den Nettoerlös, sondern vereinfacht auch die Abrechnung.
  3. Denken Sie an die Alternative. Wer erst mit Baubewilligung verkauft (Kaufrecht), verschiebt den Zeitpunkt des Verkaufs und erhöht in der Regel den Gewinn – und damit auch die Steuer. Ob das steuerlich vorteilhaft ist, klären wir gemeinsam mit Ihrer Treuhänderin.

Dieser Ratgeber informiert allgemein über die Systematik der Grundstückgewinnsteuer in der Schweiz. Tarife, Abzüge und Fristen sind kantonal geregelt und ändern sich. Er ersetzt keine Steuerberatung – für Ihren Fall ziehen Sie bitte eine Treuhänderin, einen Steuerberater oder das kantonale Steueramt bei. Wir stellen gerne den Kontakt zu unseren Partnern her.

Kurz beantwortet

Kann ich Bauland steuerfrei verkaufen?

In der Regel nein. Die Grundstückgewinnsteuer fällt bei jedem Verkauf mit Gewinn an. Nach sehr langer Besitzdauer sinkt sie in den meisten Kantonen aber deutlich – teils um die Hälfte oder mehr. Steuerfrei ist ein Verkauf praktisch nur, wenn kein Gewinn entsteht oder ein Aufschubtatbestand greift, etwa bei Erbgang oder Ersatzbeschaffung des selbstgenutzten Eigenheims.

Wer bezahlt die Grundstückgewinnsteuer – Käufer oder Verkäufer?

Die Verkäuferin oder der Verkäufer. Viele Kantone sichern die Steuer mit einem gesetzlichen Pfandrecht am Grundstück; deshalb wird beim Notar häufig ein Teil des Kaufpreises bis zur Veranlagung zurückbehalten.

Zählt bei einer Erbengemeinschaft die Besitzdauer der Eltern?

Ja, in den meisten Kantonen. Der Erbgang ist ein Steueraufschub: Die Besitzdauer der Erblasserin oder des Erblassers wird den Erben angerechnet. Das ist oft der wichtigste Grund, warum der Verkauf eines Elternhauses steuerlich günstiger ausfällt als erwartet.

Was ist mit landwirtschaftlichem Land, das eingezont wird?

Hier greift eine Sonderregel: Der Gewinn auf land- und forstwirtschaftlichen Grundstücken wird bis zur Höhe der Anlagekosten anders behandelt als der Mehrwert aus der Einzonung. Seit 2016 sind zudem viele Kantone verpflichtet, eine Mehrwertabgabe bei Einzonungen zu erheben. Lassen Sie diese Konstellation unbedingt vorab berechnen.

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